"Dreimal Finale wäre schon super!"

14.07.2017 | GwiRb | 0 Kommentare

Alhassane, London war einst Symbol für deinen vielleicht größten Tiefpunkt als Sportler. Mit welchen Gefühlen startest du in diese WM?

Es ist etwas so, als ob sich der Kreis schließt. Es ist definitiv eine spannende Erfahrung all die Sportstätten zu sehen und das Feeling nachzuempfinden. Heute geht es los und ich denke, es wird richtig cool. Die Briten sind leichtathletikverrückt und der Parasport genießt hier eine ganz andere Aufmerksamkeit. Das merkt man überall. Mir wird immer wieder gesagt, dass London die besten Paralympics aller Zeiten ausgetragen hat - ich glaube und hoffe, dass die WM dem in nichts nachstehen wird.

Wie lief die Vorbereitung und was sind deine Ziele?

Ich hatte eine schwierige Vorbereitungszeit. Im Frühjahr hatte ich mich echt gut gefühlt, im Training mehr Muskelmasse aufgebaut und bin im Februar mit hohen Erwartungen nach Dubai zu meinen ersten Trainingslager sowie den Wettkämpfen gereist. Dort ich leider mit massiven Rückenschmerzen zu kämpfen, die von einer Entzündung an einem Nerv gekommen sind. Vermutlich verursacht durch Verheben beim Krafttraining. Die Ärzte rieten mir sogar ganz abzubrechen und den Rücken zu schonen. Aber ich wollte unbedingt die Gelegenheit nutzen, zumindest ein Rennen durchzufahren und die hohen deutschen Qualifikationsnormen für die WM anzugreifen. So viele Chancen bieten sich da ja nicht. Dann klappte es auch über die 1500m und das sogar mit Deutschem Rekord!

Der Preis dafür war allerdings hoch - nach Dubai kam ich mit mehr Schmerzen zurück, musste immer wieder pausieren und nach einem Eingriff im Krankenhaus ging es langsam besser. Zwei Monate lang mussten mein Trainer Alois Gemeiner und ich alternativ mit dem Handbike trainieren und konnten so in der wichtigsten Phase nicht die Trainingseinheiten machen, die wir vorgesehen waren. Dementsprechend durchwachsen und ernüchternd waren dann auch meine Wettkämpfe Ende Mai sowie Anfang Juni in der Arbon bzw. Nottwil, wo für uns Rennrollstuhlfahrer quasi eine vorgezogene WM stattfand. Statt wie im letzten Jahr ganz vorne mitzufahren, befand ich im Mittelfeld. Ich musste die Erfahrung machen, dass mir einfach der Speed fehlte, während andere Weltrekorde gebrochen und packende Rennen gezeigt haben.

Bis heute habe noch nicht ganz das Niveau erreicht, das ich haben möchte. Deswegen blicke ich gespannt, aber auch realistisch auf die WM. Ich starte über 800m, 1500m und 5000m - dreimal Finale wäre schon super!

Ganz ehrlich: Hat sich das Training unter Alois verändert, seitdem mit Annika eine Frau dabei ist?

Nein, das Training hat sich grundsätzlich nicht verändert, außer dass ich wegen Annika quasi keine Ausrede mehr habe unpünktlich zu sein. (lacht) Scherz beiseite: ich finde es cool, dass Annika dabei ist und mit Ihrer positiven Art, ihrem Ehrgeiz und weiblichem Charme unser Team bereichert. Wir pushen uns gegenseitig und es macht definitiv mehr Spaß, sich mit mehreren Fahrern im Training zu messen. Unser Nachwuchssportler Jannis Honnef ist ja auch immer dabei. Er entwickelt sich und wird immer stärker. Auf ihn können wir uns in Zukunft noch freuen!

 

Bei der Para-Leichtathletik-WM, die vom 14.-23. Juli in London stattfinden wird, stehen insgesamt vier deutsche Rennrollstuhlfahrer am Start. Alhassane Baldé (im Bild links) startet über 800m, 1500m, 5000m. David Scherer nimmt die 100m und 200m-Strecke in Angriff. Dies gilt auch für Marc Schuh, der zusätzlich noch die 400m bestreiten wird. Annika Zeyen (im Bild rechts) lässt über 200m, 400m, 800m, 1500m und 5000m die Muskeln spielen. Wir wünschen allen Athleten viel Erfolg!

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