"Ich hoffe einfach, gute Rennen zu fahren"

13.07.2017 | GwiRb | 0 Kommentare

Liebe Annika, der Wechsel vom Rollstuhlbasketball zum Rennrollstuhl erfolgte für viele überraschend und zudem auch überraschend schnell. Wie kam es dazu?

Ja, für mich kam der Wechsel auch überraschend ;) Dass ich nach Rio nicht mehr Rollstuhlbasketball in der Nationalmannschaft spielen würde, war ja entschieden und ich habe mich dann auch entschieden nicht mehr in der Bundesliga zu spielen, da ich nicht jedes Wochenende für die Spiele durch die Gegend reisen wollte. Mir war es wichtig, die Wochenenden auch einfach mal frei planen zu können. Auf der anderen Seite war aber auch völlig klar, dass Sport immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens sein würde. Nach Rio hatte ich dann einfach mal Zeit, Sportarten zu betreiben, für die sonst neben dem Basketball keine Zeit war: Handbike fahren, Badminton spielen, Wasserski fahren, Ski fahren usw.  Und eben Rennrollstuhl fahren. Das hatte ich noch nie ausprobiert, fand es aber schon immer faszinierend. Ein Kollege von mir ist früher einige Marathons im Rennrollstuhl gefahren und von ihm habe ich mir dann einen Rennrollstuhl ausgeliehen. Da ich nach Rio komplett nach Bonn gezogen bin und Alhassane Baldé auch in Bonn wohnt, bot es sich dann an das Rennrollstuhl fahren mit Hilfe des Profis zu probieren. So bin ich dann zu einer Trainingseinheit von Alhassane und unserem Coach Alois Gmeiner gegangen. Ich war direkt begeistert von der Sportart und vom Coach und bin dementsprechend dabei geblieben.

Auch beim Rollstuhlbasketball musstest du konditionell topfit sein. Was musstest du durch die Umstellung trotzdem neu lernen?

Ja, richtig. Kraft und Ausdauer waren da, aber im Rennrollstuhl fährt man mit einer komplett anderen Technik als beim Rollstuhlbasketball. Es dauert natürlich diese Technik zu lernen und dementsprechend dann auch die vorhandene Kraft in eine hohe Geschwindigkeit umsetzen zu können. Nur mal so um sich das vorstellen zu können: bei meinem ersten Training auf der Rolle bin ich auf einen Topspeed von 20 km/h gekommen, mittlerweile habe ich auf der Rolle schon 40 km/h erreicht!

In London hast du vor 5 Jahren Paralympics-Gold im Rollstuhlbasketball gewonnen. Mit welchen Zielen und Gefühlen reist du jetzt wieder dorthin?

Die Paralympics in London werden mir immer ganz besonders in Erinnerung bleiben, aber nicht nur weil wir Gold gewonnen haben, sondern einfach weil die Atmosphäre so unglaublich toll war. Ich freue mich sehr darauf, in meiner neuen Sportart gleich wieder in so einer tollen Atmosphäre starten zu dürfen, auch wenn ich noch nicht so weit bin, dass ich um die Medaillen mitfahren kann. Ich hoffe einfach, gute Rennen zu fahren und die ein oder andere persönliche Bestzeit aufzustellen.

 

Bei der Para-Leichtathletik-WM, die vom 14.-23. Juli in London stattfinden wird, stehen insgesamt vier deutsche Rennrollstuhlfahrer am Start. Alhassane Baldé (im Bild links) startet über 800m, 1500m, 5000m. David Scherer (im Bild rechts) nimmt die 100m und 200m-Strecke in Angriff. Dies gilt auch für Marc Schuh, der zusätzlich noch die 400m bestreiten wird. Annika lässt über 200m, 400m, 800m, 1500m und 5000m die Muskeln spielen. Wir wünschen allen Athleten viel Erfolg!

Kommentar verfassen