"Größte Mutprobe meines Lebens!"

18.08.2016 | GwiRb | 1 Kommentar

In genau 10 Tagen ist es soweit. Dann wird Lisa Richter zusammen mit dem Team HULK an der XLETIX-Challenge in Gelsenkirchen teilnehmen und als erste Rollstuhlfahrerin zeigen, dass man auch unwegsame Hindernisläufe mit einem Rolli bewältigen kann. Die 22-jährige angehende Heilerziehungspflegerin, die aufgrund einer Spina bifida seit ihrem 14. Lebensjahr ständig auf den Rollstuhl angewiesen ist, beschreibt im Interview ihre Motivation, ihre Ängste und was die schlimmste Befürchtung ihres Freundes ist.

Hallo Lisa. Vor 2 Tagen hat deine erste Trainingseinheit mit dem Team HULK, mit welchem du am Lauf teilnehmen wirst, stattgefunden. Wie war es?

Es hat einfach sehr viel Spaß gemacht! Ein bisschen unsicher war ich schon, weil die Jungs alle superfit sind, aber das Zusammenspiel hat prima funktioniert und die Vorfreude auf den 28.8. ist riesengroß!

Klingt, als könntest du es kaum erwarten?

Absolut! Von alleine wäre ich allerdings nie auf die Idee gekommen, bei der XLETIX-Challenge mitzumachen.

Aber bei unserem Aufruf hast du dann nicht gezögert?

Generell bin ich für jeden Unsinn zu haben. Deswegen war die Bewerbung schnell verschickt. Ehrlicherweise habe ich erst nach eurer Zusage angefangen, mich so richtig mit dem Event zu beschäftigen. Da habe ich dann schon eine gewisse Angst im Nacken verspürt. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass diese Aktion die größte Mutprobe meines Lebens werden wird! (lacht)

Wie sehen die konkreten Vorbereitungen für dich aus?

Insgesamt bleiben ja nur 4 Wochen für die Vorbereitung. Das Teamtreffen vorgestern war auch die einzige Möglichkeit für ein gemeinsames Training. Der Rest läuft individuell. Handbiken für die Ausdauer, dazu Krafttraining und viele Videostudien, um mich mental auf die Hindernisse vorzubereiten. Ich hoffe einfach, dass meine Grundfitness aus meinen jahrelangen Sportaktivitäten ausreichend ist. Allein auf die starken Helfer des HULK-Teams möchte ich mich nämlich nicht verlassen!

Wovor hast du am meisten Respekt?

Ich denke, das sind die Wasserhindernisse. Vor allem weil das Wasser eiskalt sein wird. Da freue ich mich nun wirklich überhaupt nicht drauf. Hoffentlich ist es am Event-Tag schön heiß, damit mir schnell wieder warm wird.

Die Aktion passt natürlich wunderbar in unsere Kampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen!“, weil sie zeigt, was im Rollstuhl und durch Inklusion alles möglich ist. Was sind deine Erfahrungen mit dem Thema?

Als kleines Kind wollte ich sehr gerne schwimmen lernen. Nur leider wollte mich kein „normaler“ Schwimmverein aufnehmen, weil deren Angst zu groß war, dass ich jederzeit ertrinken könnte. Das ist natürlich Quatsch und mittlerweile hat sich da auch durchaus etwas geändert. Rollstuhlsport ist aber per se sehr inklusiv. Ich erinnere mich noch, dass wir bei den rollikids sogar mal einen E-Rolli-Spieler beim Basketball inkludiert haben. Es geht so viel! Auch jetzt spielen beim Rollstuhlbasketball in meiner Mannschaft alle mit, die Lust darauf haben: große, kleine, dicke, dünne – egal ob im Rolli oder als Fußgänger. So soll es sein.

Was möchtest du im Rollstuhlsport noch erreichen?

Ich probiere unheimlich gerne viel aus. Aktuell trainiere ich viel Tanz. Ich möchte unbedingt bald mal bei einem Turnier tanzen. Das ist ein großes Ziel von mir. Wenn ich träumen dürfte, wäre ein Einsatz in der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft das absolut Größte. Aber jetzt liegt der Fokus voll auf den XLETIX.

Was haben eigentlich deine Familie und Freunde zu der Aktion gesagt?

Naja, die kennen mich ja mittlerweile. Mein Spitzname ist nicht umsonst „Terminator“. Am Anfang konnten sie sich das nur schwer vorstellen, wie das gehen soll, aber das werde ich ihnen ja bald demonstrieren. Mein Freund hofft einfach bloß, dass ich durch das Training nicht dauerhaft wie der Hulk aussehen werde. (lacht)

Klingt nach einem kleinen Dilemma!?

Ich bekomme das schon beides unter einen Hut!

Da sind wir uns absolut sicher. Vielen Dank und viel Spaß im Schlamm, Lisa!

Kommentare

  • Perry Walczok 21.08.2016 19:39

    Absoluten Respeckt dieser jungen Dame! Da gehört schon was dazu. Ich werde mich vielleicht nächstes Jahr an einem Marathon mit meinem Handbike beteiligen. Bis dahin muss ich aber noch viel trainieren.

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