Vanessa Bui und Karina Granitza

Die Treffsicheren

Es gibt wohl keine Sportart, bei der das Sportgerät eine größere Tradition besitzt als beim Bogenschießen. Schließlich wurden Pfeil und Bogen schon in der Steinzeit benutzt. Es überrascht daher nicht, dass es 1948 bei den allerersten Stoke Mandeville Games die zentrale Sportart war. Für Karina Granitza und Vanessa Bui hat das eine ganz besondere Bedeutung: „Unsere Sportart war die Grundlage für die Paralympics, die heute mit ihren vielfältigen Disziplinen zeigen, was Menschen trotz Behinderung sportlich, gesellschaftlich und beruflich zu leisten imstande sind.“

Im Team besonders stark

Eben diese Paralympics sind für unsere beiden Athletinnen natürlich das Maß aller Dinge. Dass sie für Medaillen gut sind, zeigten sie zuletzt im Team-Wettkampf bei der Heim-WM in Donaueschingen 2015. Zusammen mit Lucia Kupczyk lieferten sie sich gegen die Russinnen einen richtigen Krimi. Der Stadionsprecher hatte diese schon als Weltmeisterinnen verkündet, doch bei einem Ergebnis von 224 zu 223 Ringen überprüfte der Kampfrichter einen russischen Pfeil nochmals ganz genau. Es folgte die Korrektur zum Unentschieden und ein Stechen. Bei der EM 2014 hatte das deutsche Trio im fast identischen Szenario hierbei die Nase vorn, doch die Russinnen nahmen Revanche und feierten den Sieg. Der Team-Wettkampf ist leider noch nicht paralympisch, sodass die Ziele erstmal andere sind. In den WM-Einzelkonkurrenzen erreichten beide Mädels die immerhin Top 10. Da wollen sie sich natürlich steigern.

Engagement für den Nachwuchs

Dabei war der Behindertensport nicht das ursprüngliche Ziel unserer „Goldjäger“. Angefangen hatten beide mit der Intention, sich mit nicht behinderten Schützen zu messen. Karina musste zum Behindertensport sogar förmlich überredet werden. Nach ihrer Knochenkrebsdiagnose und der damit verbundenen Amputation des linken Unterschenkels wollte sie unbedingt wieder „normal“ sein. Selbst bei der Bewerbung um einen Studienplatz verschwieg sie ihre Behinderung. Heute findet sie, dass sie mit dem Rollstuhl in ihrem Beruf als Schulsozialarbeiterin sogar manchen Vorteil hat, weil sich die Menschen ihr schneller öffnen. Als Jugendwart im CfB Soest liegt ihr der Nachwuchs auch hier sehr am Herzen. Auch Vanessa engagiert sich für die kleinen Sportler. Beim Myocamp, eine Veranstaltung für Kinder mit myoelektrisch gesteuerter Armprothese, vermittelt sie die Faszination des Bogenschießens: „Bogenschießen vereint Ästhetik und Präzision. Es gibt verschiedene Bogentypen und Disziplinen, wodurch verschiedene Vorlieben und Interessen berücksichtigt werden können. Ob drinnen, draußen, mit traditioneller oder eher technischer Ausrüstung…“ Behinderungen wie ihre spastische Diplegie spielen beim Bogenschießen schlicht keine übergeordnete Rolle. „Inklusion ist, wenn anderssein normal ist“, sind sich Karina und Vanessa einig.

 

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