Alhassane Baldé

Der Musterathlet

Jeder Sportler kennt die Höhen und Tiefen, die eine internationale Karriere von klein auf mit sich bringt. Alhassane Baldé natürlich auch. Die Höhen kennt er allerdings besser. Er sieht sich mit seinem Rennrollstuhl jedoch weiterhin in der Nische innerhalb der Nische. „Gerade in der Jugend suchen viele Rollisportler die Gemeinschaft beim Basketball oder anderen Mannschaftssportarten, was absolut verständlich ist“, meint Baldé. Auch er war als Kind bei den Rollikids in guter Gesellschaft und probierte sich mit dem orangenen Leder sowie im Tennis aus. Die große Faszination ging aber schon immer vom Rennrollstuhl aus, in dem er bereits als Fünfjähriger durch einen glücklichen Zufall bei der Messe Rehacare erstmals Platz nehmen durfte.

Medaillen und Deutsche Rekorde erreicht

Der Weg von dort bis zu den ersten Paralympischen Spielen war geprägt von vielen Reisen und ebenso vielen Erfolgen. Die Wettkämpfe in den USA, Australien und Neuseeland brachten auch endlich das lang ersehnte Kräftemessen mit Gleichaltrigen. Spätestens die Teilnahme am Paralympischen Jugendlager in Sydney 2000 manifestierte das Ziel, selbst einmal Teil der Spiele zu sein. Bereits 2004 in Athen sollte es dann soweit sein. Eine Wiederholung folgte 2008 in Peking. 2011 gewann er sogar die Silbermedaille über 400 Meter bei den IWAS-Weltmeisterschaften. Mit zwei EM-Medaillen aus 2014 (über 1500 und 5000 Meter) sowie zwei Deutschen Rekorden, die er 2015 knacken konnte, im Rücken richtet sich der Blick nun voll auf die Spiele in Rio. Über seine Paradedistanzen 800, 1500 und 5000 Meter soll die Finalteilnahme her.

Dass der gebürtige Guineer überhaupt diesen Weg einschlagen konnte, verdankt er der Adoption seines Onkels und dessen Frau, die damals in Düsseldorf lebten. Nachdem er durch einen Arztfehler bei der Geburt ab dem achten Brustwirbel querschnittgelähmt wurde, schätzten die Fachleute seine Lebenserfahrung auf 5 Jahre. Die bessere medizinische Betreuung in Deutschland war seine Rettung.

Rebellische Phase

Gerade aufgrund dieses glücklichen Umstands versucht er jeden Tag so gut es geht zu genießen. Mittlerweile lebt, arbeitet und trainiert Al in Bonn. Der berufsbedingte Umzug nach dem erfolgreich abgeschlossenen Studium hat ihm neuen Schwung gegeben. Während des Studiums landete der Rennrolli kurzzeitig sogar mal in der Ecke, weil Al die Dinge nachholen wollte, die „normale“ Gleichaltrige so machen – feiern, tanzen und sich richtig ausleben. „Die Wettkämpfe, die Reisen und selbst die Konkurrenten, die auch Freunde waren und immer noch sind, fehlten mir dann doch zu sehr“, beschreibt er seine damalige Situation. Für sein großes Ziel Rio ist der Arbeitsvermittler zumindest für Wettkämpfe und Trainingslager freigestellt, sodass er sich größtenteils auf seinen Sport konzentrieren kann. Noch einmal will er nicht an den Quali-Zeiten wie 2012 für London scheitern, als ihm verschwindende zwei hundertstel Sekunden fehlten. All diese Erfahrungen fließen auch in seine Vorträge ein, die er vor ganz verschiedenen Zielgruppen hält. Unser „Raser“ möchte nicht nur die Faszination Rollstuhlsport vermittelt, sondern ebenso für eine barrierefreie Gesellschaft werben. Ein Musterbeispiel für Inklusion und als Sportler eben.

 

Für mehr Informationen: www.alhassane-balde.de

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