Dorothee Vieth

Konzertgeigerin mit Leidenschaft

Wenn das eigene Leben quasi zur Halbzeit eine Wendung nimmt, die man so nicht eingeplant hat, kann man entweder den Kopf in den Sand stecken oder versuchen, das Beste daraus zu machen. Dorothee Vieth hat genau das erlebt und sich dazu entschieden, ihr Leben fest in beide Hände zu nehmen. Mit Erfolg!

Die Hände sind Dorothees wichtige Werkzeuge. Das waren sie schon vor ihrem Unfall 2002, als sie auf dem Motorroller fahrend von einer abbiegenden Autofahrerin übersehen wurde. Als Konzertgeigerin und Geigenlehrerin galten ihre ersten Gedanken im Krankenhaus dann auch gar nicht ihrer eigentlichen Verletzung. Sie ging sogar zunächst davon aus, dass sie ihr Leben nach der Reha wieder wie zuvor führen könne. Doch die traumatischen Lähmungen in Bein- und Gesäßmuskeln sind geblieben und das zertrümmerte Becken wurde auch nicht wieder wie vorher.

Die erste gute Rollstuhlversorgung brachte ihr zwar bald Bewegungsspielraum, aber  die begeisterte Sportlerin, die vorher gerne auf dem Fahrrad unterwegs gewesen war, wünschte sich einen größeren Radius für ihre Unternehmungen. Zum Glück kam sie schnell an ihr erstes Handbike zum Vorspannen an den Alltagsrolli. Dieses war zwar noch nicht wirklich für Sport ausgelegt, aber schon im Alltag erhöhte sich der Aktionsradius um ein Vielfaches. Das schätzt die 54-Jährige noch heute an ihrem Sportgerät. Steile Anstiege auf einer Tour in Blankenese – kein Problem! Und auch beim Waldspaziergang graben sich keine kleinen Rollstuhlvorderräder in den weichen Boden.

Rasanter Aufstieg

Ihr sportlicher Ehrgeiz auf dem Handbike war schnell geweckt. 2004 nahm Dorothee an ihrem ersten Marathon teil und raste in ihrer Klasse der Vorspannbikes gleich zum Sieg. Davon beflügelt sah sie sich nach einem Racebike um. Zunächst versuchte es die Musikerin im Liegebike. Mit Rücksicht auf Ihre Gesundheit, ihre Schulter schmerzte in dieser Position, entschied sie sich aber für das Kniebike und damit begann ihre beeindruckende Karriere. Inzwischen gehört die Hamburgerin, die zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche trainiert, zu den erfolgreichsten deutschen Handbikerinnen. Nach zwei Vizeweltmeistertiteln 2007 gewann die HSV-Athletin 2008 zweimal Bronze bei den Paralympics in Peking und wurde zu ‚Hamburgs Sportlerin des Jahres‘ gewählt. Bei den UCI Straßen-Weltmeisterschaften im Para-Cycling sicherte sich Dorothee 2011 in überlegener Manier die Goldmedaille. Auf einer Gesamtstrecke von 41,6 km hatte sie einen Vorsprung von mehr als drei Minuten herausgefahren. 2012 fügte sie ihrer Sammlung bei den Paralympischen Spielen in London noch eine Silber- sowie eine Bronzemedaille hinzu. Wo die Reise noch hingehen kann, bleibt offen. Gerne möchte die lebensfrohe Norddeutsche sich ihre gute Grundfitness bis ins Rentenalter erhalten.

Sportlich vielseitig

Aber der Sport spielt auch in Dorothees Alltag eine wichtige Rolle. Neben ausgedehnten Radtouren mit fahrradfahrenden Freunden, bei denen sie nach wie vor das Vorspannbike nutzt, fährt sie begeistert Monoski und spielt mit ihren Freunden leidenschaftlich gerne Tennis im Doppel. Sie ist dabei die einzige Rollstuhlfahrerin. Inklusion pur! Deswegen war sie auch gleich Feuer und Flamme, unserer Kampagne ihr Gesicht zu geben. Zumal sie gerade hinsichtlich ihres fahrbaren Untersatzes feststellen konnte: „Bin ich mit dem Rollstuhl unterwegs, wird mir gerne mal mit Mitleid begegnet oder ich werde übersehen. Bin ich mit dem Handbike unterwegs, erwecke ich oft den Neid sogar der coolsten Jugendlichen.“ Wir sind überzeugt, dass Dorothee Vieth auch weiterhin noch einige neidische Blicke auf sich ziehen wird.

 

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