Katja Lüke

Katja Lüke
Katja Lüke

Rollstuhlsport in allen Varianten

Inklusion ist für Katja Lüke in ihrem Sportverein etwas ganz Selbstverständliches. Beim Fechtclub Kassel ist die Hessin zwar die einzige Rollstuhlfahrerin, aber sie genießt die gleichen Rechte und Pflichten wie ihre Kolleginnen und Kollegen. Außerdem mangelt es ihr so nicht an Trainingspartnern, wie sie zufrieden feststellt.

Fechten war für die 46-Jährige, die seit 1997 im Rollstuhl sitzt, nicht der erste Berührungspunkt mit dem Rollstuhlsport. Schon in der Reha war sie von den Rollstuhlbasketballern so beeindruckt, dass sie deren Aufforderung zum Mitspielen gleich nachkam. Im Anschluss nutzte sie die Chance, die Vielfalt des Rollstuhlsports zu erkunden und probierte sich im Badminton, Rollstuhltanz und Handbiken aus.

Abenteuer Alaska

Schlussendlich ist aus Katja aber eine Fechterin geworden, die sowohl 2013 als auch 2014 Deutsche Meisterin im Säbelfechten geworden ist. Die Ehrung mit der Sportplakette des Landes Hessen hatte sie sich damit redlich verdient. Für 2015 genoss die erneute Titelverteidigung oberste sportliche Priorität. Diese gelang zwar leider nicht, jedoch war Katja mit Silber in der Säbel- und Degenkonkurrenz sehr zufrieden: „Wegen einer OP hatte ich ein längeres Sportverbot und konnte nur zweimal vor der DM trainieren. Ich hatte noch nie so viel Vergnügen auf einem Wettkampf, weil ich völlig ohne Druck am Start und immer wieder erstaunt über mich selbst war.“

Am Fechten fasziniert Katja die hohe Konzentrationsleistung und die schier unendlichen Möglichkeiten, die Schwächen der Gegnerin ausnutzen zu können. Kein Kampf ist wie der andere. Dieser dauert 3 Minuten und alle Geschicklichkeit sowie Kraft kommt aus dem Oberkörper und aus den Armen, da der Rollstuhl fixiert ist. Fragt man sie aber nach ihrem persönlichen sportlichen Highlight, zeigt sich Katjas Abenteuerlust. Denn dieses erlebte sie bei einem 5-Tage-Handbikerennen in Alaska. Woher sie den Mut nahm, als erste Europäerin alleine mit dem Handbike zum längsten Rennen der Welt zu fliegen, ist ihr noch heute ein Rätsel. Aber eines ist sicher: durch dieses Ereignis, bei dem sie mehrfach über sich hinausgewachsen ist, hat sie nachhaltig geprägt - kein Wunder bei 426 Kilometern Fahrstrecke. Der Entschluss zur Teilnahme fiel übrigens an einem Tag, an dem sie sich ganz ihrer Diplomarbeit widmen wollte.

Inklusion als Herzenangelegenheit

Ihr Studium hat der leidenschaftliche Krimifan natürlich trotzdem abgeschlossen und sie geht in ihrem Beruf auch voll auf. Als Referentin für Inklusion im und durch Sport beim DOSB ist ihr diese Thematik eine Herzensangelegenheit und ihr Engagement beschränkt sich nicht nur auf Rollstuhlfahrer. Denn ihr selbst verfasster Ratgeber mit dem Titel „10 Knigge-Tipps für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen“ handelt neben ganz allgemeinen Dingen wie Höflichkeiten im Gespräch auch von Menschen, die z.B. eine Seh- oder Hörbehinderung haben.

Als Kampagnengesicht für ‚Gemeinsam was ins Rollen bringen!‘ dabei zu sein, sieht Katja als besondere Chance, den Menschen zeigen zu können, dass jeder etwas gut kann und sich somit Erfolg und Spaß im Sportverein ganz automatisch einstellen. Besonders Kinder sollten die Chance nutzen, früh Berührungsängste zu verlieren. Darüber hinaus möchte sie natürlich für bessere Barrierefreiheit werben. Auch sie hielt als Fußgängerin vieles für selbstverständlich. Als sie dann aber mit 27 Jahren schlagartig auf den Rollstuhl angewiesen war, änderte sich dieses Bild: „Dies beginnt manchmal bei der Anmeldung zu einem Volkshochschulkurs oder auch der Zahlung eines Strafzettels. Selbstverständlich und nicht ein Akt der Gnade ist in unserer Gesellschaft noch vieles nicht“. Katja Lüke weiß genau, worauf es ankommt. Im Leben wie im Sport. En garde!

 

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