Heike Melchior

Die Strategin

Curling ist für Heike Melchior die perfekte Sportart, um an ihrer Konzentration zu arbeiten. „Da power ich mich nicht körperlich aus, sondern gehe in eine gute Eigenreflektion, in Teamarbeit, mentales Training und taktische Überlegungen“, beschreibt die gebürtige Frankfurterin ihren Sport. Diese Fähigkeiten braucht sie als sogenannter Lead der deutschen Nationalmannschaft, welcher immer die ersten beiden Steine des Teams je End platziert. Sie gibt damit quasi die taktischen Marschrouten für die einzelnen Spielabschnitte vor.

International unterwegs

Mit diesen Qualitäten konnte sie an der Weltmeisterschaft 2015 in Finnland teilnehmen, was ihren bisher größten Erfolg darstellt. Aufgrund der geringen nationalen Konkurrenz ist Heike auch sonst häufig mit der Natio im Ausland bei Turnieren am Start. Schottland, Dänemark und die Schweiz haben sie unter anderen schon besucht. Beschweren tut sich Heike darüber natürlich nicht, aber dennoch wünscht sie sich mittelfristig eine Liga in Deutschland. Bis zu den Paralympics 2018 in Südkorea wird das vermutlich noch nicht klappen, aber ein erfolgreiches Abschneiden dort könnte dem Rollstuhlcurling neuen Auftrieb geben. Aber darauf alleine verlassen sich Heike und ihre Mitstreiter natürlich nicht.

Inklusion nicht nur im Sport

Besonders nicht bei den Mainhattan Ice-Wheelers, Heikes Heimatverein. Sie zählt auch zu den Gründungsmitgliedern von 2009. Ein Schnuppercurling brachte sie dorthin. Damals saß sie erst kurz im Rollstuhl, nachdem eine Krebserkrankung den Rollstuhl schrittweise unverzichtbar gemacht hatte. „Mit wurden 3% Überlebenschance auf 5 Jahre gegeben. Das ist jetzt 12 Jahre her! Seitdem gibt es nur noch ein jetzt, kein später mehr“. Und so wird in Frankfurt und Umgebung regelmäßig was ins Rollen gebracht. Zum Beispiel beim Bembel-Cup, einem jährlichen inklusiven Curlingturnier. Heike weiß um die Kraft des Sports, wenn es um das Thema Begegnung geht. Nicht nur beim Curling, sondern auch beim Tischtennis oder auch Handbike fahren, was sie beides auch regelmäßig trainiert.

Als ausgebildete Heilpädagogin arbeitet Heike in der Betreuung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung. Hier leitet die lebensfrohe Hessin unter anderem den Chor und tritt auch selbst mit dem Saxofon auf. Musik ist ohnehin ein großes Thema in Heikes Leben. Als Mitglied des Vereins "Mensch-mach-mit" unterstützt sie aktiv dessen monatliche barrierefreie Disco "Alltogether" sowie das jährlich stattfindende "Handicapfestival" in Friedberg mit ca. 2.000 Teilnehmern. Ein inklusives Sport und Fitnessangebot ist für dieses Jahr geplant. Gelebte Inklusion. Diese ist nicht immer einfach und erfordert hier und da auch mal eine Portion Mut, da sie nicht immer auf offene Ohren stößt, aber mit der richtigen Einstellung funktioniert es meistens doch: „Ich gehe sehr offen und direkt auf andere Menschen zu und mute mich Ihnen einfach zu“, sagt Heike Melchior augenzwinkernd. Jetzt also auch noch im Rahmen von „Gemeinsam was ins Rollen bringen!“.

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