Kevin Lindner

Der Vielseitige

Jeder Mensch ist anders. Den einen wirft ein Schicksalsschlag vollkommen aus der Bahn, ein anderer blickt sofort nach vorne. Kevin Lindner stand mit 24 Jahren genau an diesem Punkt, als sich der Dachdecker bei einem Arbeitsunfall drei Wirbel brach und die Diagnose Querschnittlähmung erhielt. Kevin entschied sich quasi noch im Krankenbett für den Blick nach vorne: „Sport war schon immer ein Bestandteil meines Lebens, besonders Action- und Extremsport. Deshalb war klar, dass ich nach dem Unfall damit weitermachen würde und informierte mich schon in der Reha über Rollstuhlsport.“ In den letzten Jahren hat sich durch diese Neugier eine abwechslungsreiche Sportlerkarriere ergeben.

Von den Paralympics zu den X Games

Ein Jahr nach seinem Unfall begann Kevin mit Monoskifahren. „Als ich den Monoski das erste Mal sah, war es um mich geschehen“, erinnert sich der Chemnitzer. Schon 2004 wurde er in den Nationalkader berufen und 2006 durfte er dann sogar bei den Paralympics in Turin starten. Quasi mit diesem Höhepunkt beendete er 2007 seine Skikarriere. An dieser Stelle begann für Kevin eine neue Zeitrechnung, die bis heute andauert. „Da wir in der Nähe eine Wasserskianlage haben, kaufte ich einem guten Freund einen Wasserskisitz ab, schraubte ihn auf ein Wakeboard und begann nun am Cable mit Sitwakeboarding. Seitdem bin ich mit Leib und Seele dabei.“ Als nicht-paralympische Sportart stehen hier andere Wettkämpfe im Fokus. Europameister- und Weltmeisterschaften sowie die X Games. Bei diesen und der EM in Ravenna sprangen für den Sachsen 2015 schon jeweils 4. Plätze heraus. Und wer schon so nah am Podium war, will dann auch mal drauf. Da geht es Kevin nicht anders. Damit die Kondition stimmt, ist er zusätzlich regelmäßig mit dem Handbike unterwegs. Und seit 2009 spielt er noch Rollstuhlbasketball beim RBB Team Niners Chemnitz. Aber die große Liebe bleibt das Wakeboarden.

„Hilfsbereitschaft enorm hoch“

„Das Faszinierende an dem Sport ist das Wasser. Du kannst dich über die Kicker schießen ohne dich gleich zu verletzen, wenn du stürzt. Du kannst es aber auch einfach nur genießen, über das Wasser zu gleiten ohne die Hindernisse und Rampen zu befahren“, schwärmt Kevin. Diese Leidenschaft für den Sport gibt er auch als Experte gerne weiter. Er ist überzeugt, dass Sport die Leute zusammenbringen und die Position behinderter Menschen in der Gesellschaft stärken kann. Inklusion kommt dann fast automatisch zustande. Zumindest beim Wassersport hat er bisher nur gute Erfahrungen gemacht. „Du hast über 160 Anlagen in Deutschland. Fast alle sind mit dem Rolli befahrbar. Man lernt eine Menge cooler Leute kennen und deren Hilfsbereitschaft ist enorm hoch.“ Scheint fast so, als wäre ein bisschen mehr von der ursprünglichen Surferhaltung Hang Loose (übersetzt: immer locker bleiben) genau die richtige Herangehensweise für das komplexe Thema Inklusion.

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